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vergessene Perle Jane

Alles rund um den Krautrock
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SpaceRider
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vergessene Perle Jane

Beitrag von SpaceRider » Samstag 7. April 2018, 14:51

Album lady 1975.jpg


Jane Album Lady 1975 (Revisted rec.2005)

Beginn einer Erfolgsära von Matthias Mineur


Für die meisten deutschen Rockgruppen waren die Arbeitsbedingungen
in den Siebzieger alles andere als einfach.
Ihre Tourneen fanden oftmals unter unwürdigen Bedingungen statt,
im Fernsehen wurden einheimische Rockformationen nur vereinzelt -
und wenn,dann allenfalls im Beat Club von Radio Bremen berücksichtigt,
zudem droschen Teile der schreibenden Zunft aus alles Deutschstämmige ein,
was nicht avantgardistisch,virtuos oder zumindest innoaktiv war.
Kraan bekamen viel Lob,Neu!,Kraftwerk,und Can sowieso,Jane dagegen waren
nach Ansicht vieler Musikredakteure schlicht und ergreifend mies,
ihr tradioneller,aber kraftvoller und außerordentlicher melodiöser
Heavy Rock bot anscheinend die willkommende Angriffsfläche,um lustvoll
Schimpftriaden vom Stapel loszulassen.Speziell das selbst ernannte
Rock-Richtertum Sounds,das Jazzrock Größen wie Weather Report oder
Mahavishnu Orchestra vergötterte,Formationen wie Jane,eloy oder Novalis
jedoch per se die Existensberechtigung absprach,zeigte sich in diesen Punkt
besonders angagiert.Entweder rückte Sounds die Musik von Jane in die Nähe
von Fäkalien (so geschehen bei Between Heaven and Hell),nannte ihren Sänger
einen pflegmatischen Röchler (Jane III) oder schlug vor die Schallplatte
anstatt zu hören lieber in kleine Stückchen zu zerteilen,um wackelnde
Schreibtische damit zu stützen (Fire Water & Air).Die Existens der 75er
Veröffentlichung Lady wurde im Heft sogar vollends verschwiegen.
Dabei war Lady der selbstbewusst tönnende Beginn der erfolgreichsten Jane Ära
von 1975 bis 1979 und zeigte die Norddeutschen von ihrer besten Seite.
Wie schon bei den drei vorherigen Scheiben änderten Jane vor Beginn der
Aufnahmen zu Lady die Besetzung.Bassist Charly Maucher und Rhythmusgittarist
Wolfgang Krantz hatten die Gruppe im Streit verlassen,für sie verpflichteten
die beiden Führungsköpfe Peter Panka(Schlagzeug,Gesang)+Klaus Hess(Gittare,Gesang)
den Organisten/ Sänger Gottfried Janko und den Bassisten Martin Hesse.
Beide kamen von der Hannoveraner Band Dull Knife.
Wir kannten sie seit Jahren und wollten zunächst eigetlich nur martin abwerben,erinnert sich Klaus Hess.
Aber der konnte sich nicht auf Anhieb von Dull Knife trennen.Als wir anboten,
Gottfried gleich mit zu verpflichten stimmten beide zu " Ein Glücksgriff,
wie sich schon später herausstellen sollte.Denn Hesses druckvolles Bass Spiel
passte perfekt zu den schweren Rock-Arrangements der Gruppe.
Janko wiederum prägte Lady mit seinem geschmackvollen sowie großvolumigen Orgelspiel
und übernahm zudem einen Großteil des Leadgesangs.
Damit reagierten Jane auf den Vorwurf der vorangegangenen Jahre,
ihre stimmlichen Beiträge würden den Standard der Musik nicht gerecht.
Gleich der Opener Waiting For The Sunshine mit einem hinreißenden
Orgel Intro und wunderbarer Sologittare begeisterte die Fans der Gruppe.
Eine echte Janko-Nummer",lobt Hess, der gemeinsam mit dem Organisten auch das direkt
folgende Scratches On Your Back komponierte.
Gottfried hatte Unmengen an tollen Ideen.Meine Aufgabe bestand oftmals darin,
aus unterschiedlichen Einzelteilen einen homogenen Song zu arrangieren.
Bei Scratches On Your Back ist uns das besonders gut gelungen.
Mit dem dritten Stück,Music Maschine,gab Hess selbst sein Debüt als Leadsänger.
Den Song musste jemand Singen der auch einen persönlichen Bezug zum Text hat.
Er handelt von den vielen verstorbenen Rockstars und der Frage,ob Jimi Hendrix
und all die vielen wohl ihren Frieden gefunden haben.Ich jedenfalls wünsche es ihnen.
"Mit dem schwermütigen Make Me Feel Better und dem Titelsong (Wishdream) Lady endete
seinerzeit die erste Seite des schwarzen Vinyls.
(Wisdream) Lady (später nur noch Lady genannt) fand sofort Einzug in das Bühnenrepertoire.
der Band und gehört auch heute noch ,dreißig Jahre nach den Originalaufnahmen,
zum Live Programm.Hess: Der Song war relativ leicht zu spielen und deshalb perfekt
für den Beginn eines Konzerts,um erst einmal Warm zu werden."
Die zweite Seite der Schallplatte begann mit Lord Love,einem typischen Jane Song
voll Schwere und Melancholie.Der Texthat durchaus spirituelle Züge und wirft die Frage auf,
warum Gott Kinder sterben,Menschen verhungern,auf der anderen Seite aber auch Blumen
und Getreide wachsen lässt.
"Auch Lord Love glänzt vor allem durch das einfühlsame Zusammenspiel aus Jankos Orgel
und der Gittare von Klaus Hess.Es folgten zwei eher untypische Jane Stücke
Midnight Mover und Silver Knickers,inspiriert von Bassist Martin Hesse,der auch gleich
einige schlüpfrige Textzeilen zu Silver Knickers beisteuerte.
Lady endet mit der wunderbaren BalladeSo,So Long,gesungenvon Schlagzeuger Peter Panka
und aufgrund einer wiederkehrenden Refrainzeile von den Musikern selbst 16 roses genannt.
Klaus Hess erinnert sich:Der Song entstand im Studio zwei Tage vor dem Mischen.
Es fehlte noch eine Nummer fürs Album,soddas ich beim Frühstück auf meiner Gittare die
Grundidee dazu entwickelte.Wenige Stunden später bereits stand das Arrangement,
und wir fingen an,den Song aufzunehmen."
Eingespielt und gemischt wurde Lady von November 1974 bis Januar 1975 in Conny`s Tonstudio.
Als Produzent fungierte Günter Körber,der gleichzeitig Produktmanager bei Brain war.
Studiobesitzer Conny Plank assistierte Körber als Toningenieur,stand aber nicht allen
Bandmitgliedern uneingeschränkt positiv gegenüber.
Speziell zu Hess hatte er ein eher angespanntes Verhältnis.Hess: Ich fand Conny launisch
und immer auch ein wenig kauzig.Anderseitz wählte ich ihm gegenüber sicherlich nicht immer
den richtigen Tonfall,wenn dinge diskutiert wurden.
Deshalb rasselten wir auch schon mal aneinander.Aber letzlich musste er sich ja nach uns richten.
Denn von der Plattenfirma bekam er die klare Ansage:Jane verkaufen gut,also mach fertig.
"
Nachtrag: Organist Gottfried Janko, der nur wenige Monate nach der Veröffentlichung von Lady
die Gruppe wieder verließ,verstarb im Herbst 2004 nach einem Herzanfall

Nachtrag : Peter Panka starb im Alter von 59 Jahren am 2 Juni 2007 an Lungenkrebs



Space Rider Last Words : unvergessen im stillen Gedenken an Gottfried Janko & Peter Panka
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